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Ablassbrief

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Ein Ablassbrief für die Kirche St. Nicolai in Oberndorf bei Arnstadt aus dem Jahre 1353

Erarbeitet und übersetzt von Rolf Walther

1. Die Kenntnis des Ablassbriefes in der Literatur

Dass für die romanische Kirche St.Nicolai in Oberndorf bei Arnstadt einst ein Ablassbrief am päpstlichen Stuhl ausgestellt worden war, ist nicht unbekannt. Bereits Pfarrer F. Apfelstedt gibt in: Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg - Sonders-hausen, zweites Heft: Die Oberherrschaft, Sonders- hausen 1887, Reprint im Verlag G. & M. Donhof 1991 (künftig nur: Apfelstedt, Bau-und Kunstdenkmäler, 2), S.73 mit 1353 das Jahr und mit Avignon den Ort der Abfassung des Briefes an und nennt die Bedingungen, unter denen die Gläubigen in den Genusss

des Ablasses kommen können. Auch neuere Arbeiten weisen auf die Existenz dieses Ablassbriefes hin.

Bei der Transkription der umfangreichen „Bemerkungen über die Kirche in Oberndorf“ des einstigen Pfarrers Samuel Heinrich Reißland, die meine Frau und ich vor einigen Jahren auf Bitten des Oberndorfer Pfarrers Kopitzsch begannen, stießen wir zunächst auf die Abschrift eines in Latein verfassten Ablassbriefes, die Pfarrer Reißland im Jahre 1757 aus den Schriftstücken seines Vaters und Amtsvorgängers mit folgenden Erklärungen angefertigt hatte: „Weilen in diesem Jahr auch einen raren Ablassbrief, oder nur noch einen Theil davon unter den Briefschaften meines seeligen Vaters funden, daraus man einigermaßen der Oberndorfer Kirche Zustand vor 400 Jahren mutmaßen kann, so will ich solchen, soweit ihn habe, denn es ist schade, daß er nicht gantz sein soll, hier abgeschrieben hersetzen mit allen Fehlern, wie er lateinisch lautet: ……“ Es folgt zunächst eine lateinische Überschrift, die von einem der Abschreiber stammt, deren Wortlaut ich unten erörtere. Wichtig ist nun eine Randbemerkung J.M.Reißlands, die lautet: „Nota: Es war aber, wie aus allen Umständen zu sehen ist, solcher (gemeint ist den Ablassbrief) nicht das Original, sondern nur eine Abschrift des Originals“.

Nach der Niederschrift des lateinischen Brieftextes in zwei Teilen fügt er schließlich hinzu:“ Hieran hanget (so heißt es in dem gefundenen Manuskript weiter) ein Pergamentbriefgen, darauf folgendes zu lesen: ……..:“ Nun folgt der lateinischen Text des Anhanges, dessen Bedeutung Reißland aber offensichtlich nicht erkannt hat.

Insgesamt freilich sind Sorgfalt und Qualität der Reißlandschen Abschrift hervorzuheben. Geringe Fehler, die er selber für möglich hält und die auch als über die Jahrhunderte von Abschrift zu Abschrift entstandene Schreibfehler erklärt werden können, lassen sich an Hand der lateinischen Satzkonstruktion, der Grammatik und des Kontextes leicht korrigieren.

Was mir jedoch bei der Bearbeitung des von Reißland als „Briefgen“ bezeichneten Anhanges sehr zu bedenken gab, ist das dort am Ende erscheinende Datum. Reißland schreibt: IX.Calend(is) Februariy anno Domini millesimo trecentesimo sexto, also im Jahre 1306 ! Wie der gesamte Inhalt dieses Anhangtextes zeigt, handelt es sich aber um nichts anderes als um die erzbischöfliche Bestätigung und Zustimmung zu dem im originalen Brief gewährten Ablass. Der Text der Ablassurkunde enthält denn auch ausdrücklich eine Vorbehaltsklausel für die Gewährung des Ablasses (Zeile 39 bzw.48), die übersetzt lautet: …..sofern nur der Wille und übereinstimmende Beschluss der Diözesanen hinzukommt.“

In seiner inhaltsreichen und bemerkenswerten Dissertation mit dem Haupttitel „Sammelindulgenzen“ hat jüngst Alexander Seibold u.a nachgewiesen, dass jede in der Kurie verfasste Ablassurkunde ihrer Bestätigung und Zustimmung durch den zuständigen Bischof und seinen Diözesanen bedurfte. Da wir für unseren Ablassbrief mit dem 2. Juni 1353 ein festes Datum, einen sogenannten „terminus, post quem“ (oder besser „ante quem non“) haben, müsste eine Bestätigung logischerweise später, also nach dem 2. Juni 1353 erfolgt sein. Und schließlich bezieht sich ja gerade der Inhalt des Anhanges gänzlich auf den Text des im Brief gewährten Ablasses. Also konnte, so muss man folgern, das von Reißland gegebene Datum 1306 nicht richtig sein.

 

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